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16.10.2019

BENA bei der Goalball WM 2019

 

„Zwei Minuten und dreißig Sekunden noch auf der Uhr und es steht 6:2 für Deutschland – wenn hier kein Wunder mehr passiert, dann ist das der Europameistertitel für das deutsche Nationalteam der Männer im Goalball.“  - Im was?

Goalball – eine Sportart, die wir vor wenigen Wochen live noch gar nicht kannten. Eine Sportart, die schnell und abwechslungsreich sein kann. Eine Sportart, die bis zu 100 Angriffe pro Team pro Spiel bietet. Eine Sportart, die die weltweit beliebteste für Menschen mit Sehbehinderung ist und eine Sportart, die uns begeistert hat.
Egal, ob tanzende Türkinnen vor dem Anpfiff zur Hallenmusik, die raumdeutende litauische Krake Mantas Brazauskis oder die nimmermüden Anfeuerungs- und Motivationsschübe des deutschen Frauen-Bundestrainers, die einen designierten Absteiger bis zur Bronzemedaille trugen.
Und das sind nur drei der unzähligen Eindrücke dieser IBSA Goalball-EM in Rostock. Vom 8.-13. Oktober 2019 hieß es bei der Veranstaltung, federführend durchgeführt vom Deutschen Behindertensportverband (DBS), täglich mehrfach „quiet please“. Im Auftrag des DBS war die BENA bei den beiden Veranstaltungsorten Stadthalle und OSPA-Arena die gesamte Zeit im Einsatz und begleitete die Europameisterschaft im Goalball audio-deskriptiv.

Aber was ist Goalball eigentlich?

Einfach gesagt: ein Spiel drei gegen drei auf zwei neun Meter breite Tore.
Die Komplexität: Die Spieler sehen nichts und verlassen sich auf einen Ball, der Glöckchen hat. Dieses Spielgerät wird dann immer wieder unter der Beachtung bestimmter Regeln auf die andere Seite seinen Gegnern entgegengeschleudert, in der Hoffnung, dass der 1250 Gramm schwere blaue Ball im Netz unterkommt und der Schiedsrichter zweimal pfeift, was ein Tor bedeuteten würde.

Etwas, was Errki Miinala besonders beherrscht. Der Topscorer des Turniers mit insgesamt 32 Treffern – und das in gerade einmal sieben Spielen. Der kleingewachsene Mann mit dem Pferdeschwanz und einer kompakten Statur zeigt, was diesen Sport ausmacht. Egal, ob das seine kräftigen Würfe sind, oder seine Geschicklichkeit und Präzision, bei seinen Angriffen und Bewegungen durch die eigene Spielhälfte.
Der ungewöhnlich aufbrausende Finne macht Geräusche und redet während der Spiele – gerne auch mit einem Dank und Handkuss an die gegnerischen Fans. Der Dampfhammer über Rechtsaußen liebt und lebt Goalball und ist Sportler durch und durch.

Die BENA bei der Goalball Europameisterschaft bedeutet auch zwei Reporter, 48 Liter Wasser und 60 Spiele in sechs Tagen. Rund 3600 Minuten Live-Berichterstattung über sportdeutschland.tv und um die 12.000 beschriebenen Angriffe. Unzählige Gespräche und Interviews und jede Menge Pflaster.
Die brauchten die Sportlerinnen und Sportler immer wieder, um zusätzlich ihre Augen abzukleben, bevor die Dunkelbrillen angezogen wurden.
Grund dafür ist absolute Chancengleichheit, denn auch mit einer Sehstärke von bis zu zehn Prozent darf an diesem Sport teilgenommen werden.

Eine Ballsportart die Technik, Taktik und Talent genauso vereint wie jede andere auch. Einen interessanten Unterschied konnten wir aber beispielsweise bei den Aufwärmübungen der Sportler beobachten. Luft-Boxbewegungen mit Brillen auf den Augen oder seitliche Rutschbewegungen des Körpers auf dem Boden. Vor allem aber, wenn das medizinballgroße Spielgerät immer wieder mit Wucht gegen die Füße eines Sportlers gefeuert wurde. Der seitlich auf dem Boden lag – aus ca. 30 Zentimeter Entfernung.

Die Männer sind Europameister und die Frauen holen die Bronzemedaille – besser hätte es aus deutscher Sicht bei dieser Heim-EM nicht laufen können. Für finanzielle Unterstützungen und Aufmerksamkeit mag das förderlich sein - Für das Verständnis des Sports und die Rivalität untereinander ist das jedoch zweitrangig. Shake-hands vor und nach dem Spiel mögen nicht ungewöhnlich sein – die Herzlichkeit mit dem das einige Sportlerinnen und Sportler, egal, ob nach Sieg oder Niederlage, durchführen, war teilweise außergewöhnlich. Eine Or Mizrahi, die erst die Gegnerinnen tröstet, um dann erst selbst zu feiern. Oder die Siegerinnen beglückwünscht, bevor sie ihre Mitspielerinnen in den Arm nimmt, um dann vielleicht selbst mal zu begreifen, was passiert ist, sticht aus diesen freundlichen Spitzensportlerinnen und -sportlern bei diesem Turnier noch heraus.

 

Außerdem: Bei welcher Europameisterschaft sind die Sportlerinnen und Sportler sogar dankbar, wenn man ihnen am Abend die Auswahl der Käseplatte am Buffet erklärt?

Kurzum: Sportlerinnen und Sportler, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, Coaches, Betreuerinnen und Betreuer, Offizielle und Organisatoren – Ihnen allen ein großes Dankeschön, die BENA kommt gerne wieder!


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